Carsharing im Kanton Genf

Im Westen viel Neues

Der Kanton Genf zählt zu den aktuell wichtigsten Regionen für Mobility. Die Genossenschaft hat das Carsharing‑Angebot in den letzten Jahren dort deutlich ausgebaut und will weiterwachsen. Die gelernten Lektionen daraus sind wichtig für die ganze Schweiz.

Rotes Mobility-Carsharing-Auto fährt durch eine Stadtstrasse in Richtung Genfer Jet-d’Eau-Brunnen.

Ganz im Westen der Schweiz ist Carsharing auf der Überholspur. Hier, im Kanton Genf, ist Mobility in den letzten Jahren in allen Bereichen markant gewachsen:

  • In fünf Jahren ist die Zahl der Autos von 200 auf rund 300 gestiegen.
  • 2025 erreichte die Zahl der Nutzenden die 20’000er-Marke – eine Steigerung um einen Viertel in drei Jahren.
  • Ende 2025 standen 82 E-Autos bereit – eine Verdoppelung in zwei Jahren.
  • 1 Mobility-Auto ersetzt in der Stadt Genf 21 Privatwagen, das spart 2’800 Parkplätze.

«Im Kanton Genf konnten wir in den letzten Jahren sehr gut die wachsenden Carsharing-Bedürfnisse der Einwohnenden erfüllen», sagt Michael Roth Gut, Leiter Angebot und Infrastruktur bei Mobility, und ergänzt: «Es ist weiterhin viel Potenzial für einen Umstieg auf nachhaltige Mobilität vorhanden.»

Die aktuelle Entwicklung ist das Ergebnis von vielen engagierten Akteurinnen und Akteuren, wie etwa dem zuständigen Gebietsverantwortlichen Luca Borra: «Nach meinem Start bei Mobility 2019 habe ich schnell gemerkt, dass Genf das grösste Potenzial der Westschweiz hat.»

Zwei Dinge seien ihm sofort aufgefallen: Erstens: Das Mobility-Angebot war im Vergleich zur Deutschschweiz weniger entwickelt. Zweitens: Die Voraussetzungen waren sowohl politisch als auch städtebaulich günstig. Die Stadt Genf zum Beispiel ist eine der dichtesten Städte Europas, wirtschaftlich sehr attraktiv und verkehrstechnisch oft am Anschlag.

Mit verstärkter Partnerschaft zu mehr Parkplätzen

Diese Ausgangslage ist zweischneidig. Denn wo es viele Leute auf wenig Raum gibt, gibt es auch Verkehr und Parkplatzmangel. Für Mobility als grosse Parkplatzmieterin ist das eine Herausforderung – bezüglich Suche und Kosten. Luca sagt: «2020 befanden sich von den 12 teuersten Parkplätzen in der Schweiz 8 in Genf.» Deshalb hat Mobility neue Lösungswege gesucht. Einer davon war, den Kontakt zu den öffentlichen Stellen zu verstärken. Mit Erfolg: Heute besteht mit der grössten Parkhausbetreiberin der Schweiz, der Fondations des Parkings, eine starke Partnerschaft. Andrea Keiser, Leiterin Angebotsbereitstellung, sagt: «Die Fondations des Parkings hat uns beim Ausbau und bei der Elektrifizierung des Angebots wirklich hervorragend unterstützt.» Inzwischen ist sie die zweitgrösste Standortpartnerin nach den SBB.

Luca Borra lächelt in die Kamera vor neutralem Hintergrund.
«Ich denke, dass Genf eine der führenden Städte Europas in Sachen nachhaltige Mobilität werden wird.»
Luca Borra — GEBIETSVERANTWORTLICHER GENF

Städtische Projekte als Chance für mehr Carsharing

Wichtig für die Suche nach Parkplätzen sind aber auch Unternehmen grosser Bauprojekte, die Carsharing frühzeitig in ihre Planung einbinden. Nennenswert ist hier das Stadtentwicklungsprojekt PAV, eines der grössten städtischen Erneuerungsprojekte Europas. Damit wollen die drei Gemeinden Carouge, Genf und Lancy in den nächsten Jahren 12’400 Wohnungen und 6’200 Arbeitsplätze schaffen – und dies auf möglichst nachhaltige Art. Ein erstes Projekt daraus ist das neue Quartier Vernets mit 1’000 Wohnungen und 3’000 Arbeitsplätzen im Herzen der Stadt Genf. Als Teil einer nachhaltigen Quartiermobilität sind bis zu zehn E-Autos von Mobility vorgesehen. Dieses positive Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Mobility frühzeitig und eng in städtische Entwicklungspläne einbezogen wird. Der Gebietsverantwortliche Luca sagt: «Carsharing muss von Anfang an mitgedacht werden.»

Die Zeichen für Wachstum stehen günstig

Mobility hat sich das Ziel gesetzt, die Carsharing-Nutzung in der Schweiz bis 2035 zu verdoppeln und entsprechend Standorte und Fahrzeuge bereitzustellen. Der Raum Genf ist dabei ein wichtiger Pfeiler. «Auch 2026 werden wir zahlreiche neue Standorte eröffnen und ungefähr 40 zusätzliche Mobility-Autos ins Angebot aufnehmen», sagt Michael Roth Gut.

Gerade in der Stadt stehen die Zeichen für den weiteren Ausbau günstig: Die Bevölkerung wächst, Topografie und Klima begünstigen sanfte Mobilität und es stehen viele Investitionen in nachhaltige Mobilitäts-Infrastrukturen an, wie etwa den Léman Express und den Ausbau der Velowege.
Luca Borra sagt: «Auf lange Sicht denke ich, dass Genf eine der führenden Städte Europas in Sachen nachhaltige Mobilität werden wird.»

Vergleich einer Stadtstrasse mit vielen parkierenden Autos und einer begrünten Begegnungszone mit mehr Platz für Menschen.

Was lernt Mobility in Genf?

Genf zeigt, dass das Potenzial von Carsharing genutzt werden kann, wenn die geteilte, nachhaltige Mobilität früh in die Planung von städtischen Entwicklungsgebieten eingebunden wird. Allgemein sollte Carsharing früh bei Immobilienprojekten mitgedacht werden, um im besten Fall Parkplätze und Kosten einzusparen. Darüber hinaus zeigt sich, wie wichtig die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen ist, um bei Bedarf wertvolle Parkplätze auf städtischem Gebiet zu erhalten. Und um das Netz zu vervollständigen, sind Standort-Patenschaften mit Gemeinden, Unternehmen oder Immobilienprojekten eine wertvolle Möglichkeit.

Am Ende bleibt der lokale Ausbau des Carsharing-Angebots eine komplexe Angelegenheit. Jedoch hat Mobility in den vergangenen drei Jahren neue Fachkräfte geholt und die Angebotsplanung deutlich weiterentwickelt – insbesondere durch den Ausbau von Kompetenzen in der datenbasierten Nachfrage-Analyse. Die Genossenschaft ist damit super gerüstet, um Carsharing im Westen der Schweiz aufs nächste Level zu bringen.